Grosser Besucherandrang am Tag der offenen Schollenmühle

Über den Wiesen lag noch Tau, als sich am frühen Samstagmorgen die ersten Velolichter durch die Dämmerung bewegten. Aus allen Richtungen kamen sie: Naturfreunde, Vogelliebhaber, Frühaufsteher und Familien. Manche gemütlich radelnd, andere zügig zu Fuss. Doch alle hatten dasselbe Ziel – die Schollenmühle in Altstätten.

Mit einem solch grossen Andrang hatte kaum jemand gerechnet. Rund 120 Personen kamen zur Vogelexkursion. Jung und Alt standen erwartungsvoll zusammen und teilten die Vorfreude. Vier Gruppen wurden gebildet und es ging hinaus in die erwachende Rietlandschaft.

Wo hinter jeder Biegung Neues wartet

Die ersten Sonnenstrahlen tauchten das Gebiet in warmes Licht und die Natur spielte ihr Morgenkonzert. Der Ruf des Kuckucks hallte durch die Luft, aus den Bäumen erklang der Pirol, Rohrammern und Sumpfrohrsänger liessen sich hören. Rund um die Schollenmühle klapperten die Störche. Über 30 Brutpaare haben hier ihre Nester gebaut und in vielen reckten bereits die Jungen neugierig ihre Köpfe in die Höhe.

Doch nicht nur Vögel zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Feldhasen huschten durchs Gras, Frösche quakten am Wegesrand und immer wieder blieben die Gruppen stehen, um die Spuren eines besonderen Landschaftsgestalters zu entdecken: des Bibers. So wurde die Exkursion zu einer kleinen Entdeckungsreise, bei der hinter jeder Wegbiegung etwas Neues wartete.

Was zappelt da im Netz?

Am Nachmittag verwandelte sich das Gelände rund um die Schollenmühle in einen bunten Natur-Erlebnisraum. Rund 330 Besuchende sorgten für viel Leben auf dem Areal. Besonders am Teich herrschte reger Betrieb. Mit Keschern in der Hand machten sich Kinder auf die Suche nach den geheimnisvollen Bewohnern der Teichwelt. Kaum war ein Netz aus dem Teich gehoben, versammelten sich neugierige Augen um die Becherlupen. Libellenlarven, Wasserläufer, Wasserschnecken oder Gelbrandkäfer wurden bestaunt. Manchmal sorgte ein Frosch oder ein Molch für besondere Begeisterung.

Als Torf noch die Häuser heizte

Gleichzeitig boten Kurzführungen spannende Einblicke in die Geschichte der Schollenmühle. Die Besuchenden erfuhren, wie hier früher Torf abgebaut wurde – in harter Handarbeit, Scholle für Scholle aus dem nassen Boden gestochen. Wo heute Familien zur Erholung herkommen, standen früher Familien im Riet und stachen Torf. Der Torf diente als Brennmaterial und wärmte im Winter die Stuben. Beim traditionellen Schollenstechen wurde diese Geschichte greifbar.

Während rund um die Schollenmühle beobachtet, gespielt und gestaunt wurde, lief im Hintergrund die Klangkulisse des Riets weiter. Das Klappern der Störche, der Ruf des Pirols und das unverwechselbare «Kuckuck» aus der Ferne begleiteten den Tag. Viele der 450 Besuchenden dürften mit einem Lächeln und vielen neuen Eindrücken aus der Natur nach Hause gegangen sein.