Der Siedlungsraum lebt – und er singt. Wer am Samstagmorgen genau hinhörte, konnte eine grosse Vielfalt an Vogelstimmen vernehmen. Rund 40 Interessierte folgten der Einladung von Pro Riet zu einer Vogelexkursion in Widnau – ein Anlass, der zeigte, wie vielfältig selbst dicht bebaute Gebiete sein können.
Lauschtour durch die Quartiere
Unter der Leitung von Dominic Frei und Michael Anderegg bewegten sich zwei Gruppen aufmerksam durch die Quartiere. Der Fokus lag auf dem Hören: Vogelgesang verrät oft mehr als ein flüchtiger Blick. Gleich zu Beginn machte die charakteristische Stimme der Türkentaube auf sich aufmerksam, später mischten sich die Rufe von Amsel und Hausspatz dazu. Meist singen die Männchen – zur Reviermarkierung und Partnerwerbung – während Weibchen zur Tarnung oft unauffälliger gefärbt sind.
Faszinierende Flugkünstler und versteckte Sänger
Ein Höhepunkt war die Beobachtung von Mauerseglern. Kaum ein anderer Vogel ist so sehr an die Luft gebunden: Selbst Schlaf und Paarung finden im Flug statt. Ihr durchdringendes „srieh-srieh“ hallte über die Dächer, während in Hecken und Bäumen Arten wie Mönchsgrasmücke oder Zilpzalp zu hören waren. Eine aussergewöhnliche Begegnung bot sich am Binnenkanal: Ein Fitis war zu hören. Sein melodischer, leicht wehmütiger Gesang wurde von Exkursionsleiter Dominic Frei sogar nachgepfiffen – sehr zur Freude der Teilnehmenden.
Was Vögel wirklich brauchen
Die Ornithologen erklärten anschaulich ökologische Zusammenhänge: Während der Brutzeit sind Insekten für fast alle Arten unverzichtbar. Naturnahe Gärten werden so zur Lebensgrundlage – je nach Art mit anderen Ansprüchen, etwa samenreiche Pflanzen für Stieglitze.
Den Abschluss bildete ein Apéro im Zentrum Zehntfeld, offeriert von der Gemeinde Widnau. Dort konnten sich die Teilnehmenden über Nisthilfen und konkrete Fördermassnahmen informieren. Die Begeisterung war spürbar – und die Nachfrage gross: Die Exkursion war früh ausgebucht.
Wer die Vogelwelt entdecken möchte, hat bald wieder Gelegenheit: am Tag der offenen Schollenmühle und bei der Exkursion ins Gebiet Weidist.






